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Tiefe Farben: James Greenhalghs entwaffnende Filmportraits

By Fulya - 7 min read

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Der junge Fotograf nutzt Limits als Quelle für Kreativität.

James Greenhalgh (@JamesGreenhalgh) ist ein 18-jähriger Fotograf aus London. Zwar hat er erst vor zwei Jahren mit dem Fotografieren begonnen, doch nun verfolgt er es bereits als Karriere – mit vielversprechenden Ergebnissen. Wir sprachen mit ihm darüber, Limits als Quelle für Kreativität zu nutzen.

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe erst vor etwa zwei Jahren angefangen. An der Schule musste ich für mein Abitur drei oder vier Fächer als Spezialisierung auswählen. Eigentlich war Anhtropologie meine erste Wahl, doch das wurde nicht angeboten. Also entschied ich mich schließlich für Fotografie. Ich dachte, dass ich es von allen angebotenen Fächern am wenigsten hassen würde. Zu meiner Überraschung fand ich es sofort total faszinierend und war von meinen Lehrern sehr inspiriert.

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Was fasziniert dich am Fotografieren?
Dass es so ein demokratisches Medium ist: Jeder kann Fotos machen und jeder kann sie verstehen. Ich bin eine Katastrophe im Malen und Zeichnen, aber Fotografie lässt mich die Gedanken in meinem Kopf festhalten — nämlich als Foto. Und noch etwas: Immer wenn ich Bilder mache, kann ich eine Verbindung mit meinem Subjekt aufbauen. Die Person kennenlernen bevor ich die Kamera überhaupt aus meiner Tasche nehme. Die dabei entstehende zwischenmenschliche Verbindung ist faszinierend.
Du machst deine Bilder auf Film. Haben die Fotolehrer darauf bestanden?
Sie drängten schon darauf, aber die überwiegende Mehrheit der Studenten in meinem Jahrgang machte nur Digitalfotos und versuchte, ihre Arbeit so schnell wie möglich zu erledigen. Ich habe gesehen, wie analoge Fotografie einen verlangsamt…

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In welcher Hinsicht?
In digital mache ich 500 Fotos, und behalte davon 10 Stück. Da der Film nur 36 Fotos hat, zwingt einen das dazu, über jedes einzelne Bild nachzudenken. Das bedeutet, dass einem die überwiegende Mehrheit der Fotos gefallen, die man gemacht hat — einfach weil so viel Arbeit drinsteckt.

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Deine Serie namens Tungsten zeichnet sich durch das Licht und die Farben aus. Was steckt dahinter?
Tungsten ist ein Projekt, das ich 2016 begonnen habe. Ursprünglich war es ästhetisch motiviert — ich war inspiriert von Jeff Hahn und der Art und Weise, wie er Farbe und weiches Licht einsetzte. Er hat eine Serie mit dem Titel “Port Yarin” gemacht, in der diese unglaublich sanften Rottöne seine Motive ergänzen. Das weckte bei mir den Eindruck, das Model selbst zu betrachten und nicht irgendeine verherrlichte Plastikfassung davon…

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Woher stammt der Name?
Tungsten, oder Wolfram auf Deutsch, ist einer der Stoffe, der für künstliche Beleuchtung verwendet werden kann. Ich habe festgestellt, dass dieses Licht wunderschöne Blau-, Grün- und Gelbtöne auf dem Film erzeugt, Schattierungen welche ich auf Digitalfotos nie sehen konnte.
Hauptsächlich, weil ich ein armer Student bin, habe ich alles auf Kodak Colorplus 200 geschossen. Dem billigsten Film, den man hier kaufen kann. Er erzeugt ziemlich übersättigte Farbtöne, die nicht ganz realistisch wirken. In der Serie stechen die Farben also wirklich enorm hervor.
Auf deiner Website stellst du dazu eine Frage: „Wie können Farben, die normalerweise hässlich wirken, die Schönheit einer Person hervorheben?“ Hast du darauf eine Antwort finden können?
Ich schätze, ich bin der Sache näher gekommen. Viele meiner Models sehen sich selbst nicht als schön an — aber wenn sie die Fotos sehen, sehen sie etwas in sich selbst. Das macht mich sehr glücklich.

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Die Farben und die Beleuchtung, die du benutzt, bringen etwas in ihnen zum Vorschein…
Auf jeden Fall. Ich habe versucht, ihr wirkliches Selbst einzufangen. Heute sind die meisten Menschen — vor allem Millennials — gewohnt, zu posieren. Sie machen ein Foto und wenn sie es nicht mögen, löschen sie es und probieren eine neue Aufnahme. Ich wollte nur, dass die Leute ihr Handeln entschleunigen und sich entspannen. Das geschieht ganz von selbst, wenn es nur um mich, das Motiv und die Kamera geht.
Wo findest du die Leute, die du fotografierst?
Es sind Freunde von mir aus der Schule. Ich wollte Leute, die ich kannte, weil das Shooting ein wenig persönlich ist: Sie haben nackte Oberkörper, sind an merkwürdigen Orten, und nicht jeder ist dazu bereit. Ich habe auch nur Männer ausgewählt, denn das Projekt war für die Schule, und würde ich nackte Frauen abbilden wollen, gäbe es nur Ärger.
Wie bringst du die Menschen dazu, dir zu vertrauen, wenn du Fotos machst?
Merkwürdigerweise hat das wieder etwas mit Film zu tun: Eine analoge Kamera besteht nur aus einem bisschen Glas und einem Filmstreifen. Man sieht, wie einfach es ist, und die Kamera wirkt nicht so fremd. Bei einer Digitalkamera gibt es einen Bildschirm. Du siehst das Ergebnis, das Modell möchte es sehen. Mit Film sehe ich das Ergebnis erst nach dem Entwickeln und das beseitigt ein Hindernis.
Darüber hinaus baut man natürlich Vertrauen auf, indem man Menschen langsam kennenlernt, freundlich mit ihnen ist und sich selbst offen zeigt.

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Was hast du als nächstes vor?
Im September werde ich ein Fotografiestudium am London College of Communication beginnen. Ich kann es kaum erwarten, dort loszulegen, meine Lehrer und Kommilitonen kennenzulernen und mich von dem inspirieren zu lassen, woran alle anderen arbeiten.

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Mehr Fotos gibt es auf James’ EyeEm-Profil und auf seiner Website.