Community

Wie man bessere Landschaftsaufnahmen macht

By Lars - 6 min read

Einer unserer Curatoren zeigt seine Tipps, mit denen man Landschaftsszenen in ihrer ganzen Pracht erfassen kann.

Wenn man schöne Landschaften sieht, dann kann sich das wie ein kleiner Ferientrip anfühlen, ganz besonders, wenn man die Umgebung der Stadt gewöhnt ist mit ihren Betonwänden und breiten Straßen. Landschaftsfotografien sind wie Fenster in eine andere Welt, und darum sind sie auch anhaltend beliebt.

Sie zu erfassen ist erstaunlich schwierig. Landschaften können schnell langweilig erscheinen und überhaupt nicht so, wie sie in Wirklichkeit sind. Damit Ihr bessere Landschaftsfotos aufnehmen könnt, habe ich Jonny, einen Kurator von EyeEm gebeten, uns ein paar Tipps dazu zu geben.

Wanderlust

“Als Kind war ich mit meinem Vater mehrere Sommer lang auf der Insel Skye in Nordschottland. Als Teenager bedeutete die Landschaft mir nicht viel und erst als ich erwachsen wurde, begann ich zu erkennen, wie schön es dort wirklich war. Deshalb habe ich mit der Naturfotografie angefangen, und heute ist die Liebe zur Natur mein Hauptantrieb.”

Von den Ikonen lernen

„Die ikonischsten Landschaftsaufnahmen – die, an die Ihr denkt -, sind jene, die in Magazinen wie „Life“ oder „National Geographic“ erscheinen. Sie erzählen Dir aber nicht, dass viele von den gelben und purpurnen Farben auf ihren Fotos in Wirklichkeit gar nicht existieren. Das nenne ich den Postkarteneffekt. Wenn es Euch darum geht, solche Fotos zu machen, müsst Ihr deren Tricks nacheifern und Farben hinzufügen nachdem das Foto bereits aufgenommen ist. Oft wird ein Verfahren angewendet, das Split-Tonen heißt.”

Mit den Farben spielen

„Eines der häufigsten Probleme bei der Landschaftsfotografie ist, dass die Farben zu schwach herauskommen. Das kommt daher, dass der Fotoapparat bei Aufnahmen über Distanzen viele visuelle Informationen einfangen muss. Die Farben kann man daher mit Filtern und durch Nachbearbeitung verstärken. Vermutlich kennt Ihr die Arbeit von Ansel Adams, der Kontraste verwendete, um das Letzte aus seinen Bildern herauszuholen. Etwas Ähnliches ist möglich, wenn man den Kontrast bei euren Aufnahmen erhöht, oder sogar die Farbnuancen verändert. Dadurch werden Schattierungen unterstützt, die ursprünglich nicht so auffällig waren.

Aber seid vorsichtig, damit Ihr es nicht übertreibt mit der Bearbeitung: Eure Landschaften fangen an, wie Märchenbilder auszusehen, wenn sie zu sehr verarbeitet werden. Im Zweifel schaut Ihr Euch Eure Bilder ein paar Minuten später nochmal an, nachdem sie bearbeitet wurden. Sieht es realistisch aus?”

Unterbelichtet fotografieren

“Meine Fotos nehme ich vorzugsweise etwas unterbelichtet auf. Es ist leichter, dunkle Stellen beim Nachbearbeiten zu optimieren, und sie wieder aufzuhellen, als es ist, einen überbelichteten Himmel wieder in Ordnung zu bringen. Man kann auch klasse ein paar Schatten in euren Fotos behalten, denn sie strukturieren die Fotos und verleihen ihnen ein Gefühl der Tiefe.“

Kein HDR

„Hochkontrastbilder mit High Dynamic Range – abgekürzt HDR – wurden in den frühen 2000ern beliebt, weil man dadurch lebendigere Farben und Einzelheiten in die Fotos bekam. Heute kann euer Handy oder der Fotoapparat manchmal versuchen, HDR automatisch zu verwenden. Ich würde Euch aber raten, diese Funktion zu deaktivieren. Das Bild, das dabei herauskommt, sieht sehr künstlich aus – und wenngleich dabei mehr Farbe dazukommt, so ist die Wiedergabe doch ziemlich ungenau. Darum kam HDR wieder außer Mode und Ihr lasst besser die Finger davon.

Keine übertriebene Ausrüstung

„Viele Leute denken, dass man jede Menge tolle Ausrüstung braucht, um bessere Landschaftsaufnahmen zu machen – aber ich verwende lediglich eine ganz alltägliches Setup für Straßenfotografie: Eine erstklassige 24mm Linse, oder alternativ eine 35mm Linse. Wenn ich keinen Zoom habe, muss ich kreativer sein bei der Auswahl des Ausschnitts, und die Versuchung besteht nicht, einfach den wichtigsten Gegenstand auf dem Foto heran zu zoomen. Wenn Ihr Euch zwingt, Euch ohne eine Linse mit einem Zoom zu bewegen, dann erkundet Ihr mehr von Eurer Umgebung und dadurch bekommt Ihr auch bessere und einzigartigere Positionen für eure Landschaften.”

Die richtige Position für den Gegenstand finden

„Was ist der Gegenstand Eurer Aufnahme? Nur die Landschaft oder auch etwas darin, wie ein Wasserfall oder der Gipfel eines Bergs. Meiner Erfahrung nach hilft es, den Gegenstand nicht zentral in die Mitte zu stellen, wodurch das Foto von einem Postkartenmotiv sich in etwas weitaus dynamischeres verändert. Gerne nehme ich auch Leute mit in die Fotos hinein, wodurch in die Natur ein netter Größenvergleich hineingestellt wird, und man den Eindruck bekommt, tatsächlich auch selbst mit dabei zu sein.”

Präsent sein

„Für gute Landschaftsaufnahmen braucht man Geduld. Wenn Ihr auf der Strasse Aufnahmen macht, dann wisst Ihr, dass dort ständig etwas passiert. Eine Stadt bewegt sich rasch um Euch herum und es werden ständig neue Motive erzeugt. Bei einer großartigen Landschaftsaufnahme kann es sein, dass man stundenlang warten muss, bis das Licht richtig herauskommt – oder man muss einfach lange Zeit darin verbringen. Ich bin überzeugt davon, dass großartige Resultate auf den Fotos letztendlich aus der Liebe zur freien Natur herrühren.”


Vor kurzem nette Landschaftsfotos hochgeladen? Kennzeichnet sie mit “betterlandscapes” um sie uns zu zeigen!

Titelbild von @jonathondavison.

© 2019 EyeEm Mobile GmbH.